November

Wieder ist ein Monat vergangen und ich habe das erste Viertel des Jahres geschafft.
Der November in Deutschland ist meist kalt, verregnet und auch irgendwie traurig, da die Feiertage dazu einladen, an die Menschen zu denken, die uns gerade fehlen.

Für mich war der November dieses Jahr aber heiß, nass und fröhlich.
Obwohl Ende Oktober mein Opa gestorben ist und ich noch mit dem Gedanken gespielt habe nach Hause zu fahren, haben sich meine Gedanken im November wieder auf das Hier und Jetzt fokussiert. Ich habe super viel erlebt und so viel überdacht und für mich neu definiert und akzeptiert. Dabei geholfen hat mir zum einen der Trip nach Maun, über den ihr im letzten Beitrag lesen könnt. Aber auch der Besuch von meiner Freundin Julia, die 2016/17 selbst Freiwillige der VEM in Botswana war.

Ich habe ihr beim Abschied eine Karte in ihren Rucksack gesteckt, auf der ich geschrieben habe, dass sie für mich genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Denn mit der Beerdigung meines Opas, meinem Geburtstag und einem Konzert der Jugendgruppe, die ich viele Jahre lang geleitet habe, gab es mehrere Gründe Anfang November lieber Zuhause als in Botswana sein zu wollen und das Risiko auf Heimweh. Aber wir haben so viel geredet, erlebt, geweint und gelacht, dass es mir gar nicht schwer fiel, zu dieser Zeit hier zu sein.

Hochzeits-Outfits
Die Brautjungfer und ihre Brautjungfer der Brautjungfer

Julia war eigentlich hier, um ihre Gastfamilie zu besuchen und an der Hochzeit ihrer Gasttante als Brautjungfer teilzunehmen. Ich durfte an den Vorbereitungen, der Hochzeit und der Feier als ihr Gast teilnehmen und habe das zweite Novemberwochenende in Gabane bei ihrer Familie verbracht. Seit dem ich hier bin habe ich bestimmt schon 4-5 Hochzeiten miterlebt und ich muss sagen, dass sie mir bis auf das etwas chaotische, organisatorische Drum-Herum gut gefallen. Das Brautpaar wird meistens in der Kirche getraut und dann geht es zu einem Ort, wo gefeiert wird. Mal ist das auf dem Gelände eines Verwandten, mal an einem angemieteten Ort. Aber immer draußen und geschützt durch ein großes Festzelt. Die Braut mit ihren Brautjungfern und der Bräutigam mit seinen Trauzeugen eröffnen die Feierlichkeiten, indem sie einen langen Gang entlang zu Musik „eintanzen“. Besonders dieser Teil der Feier hat mir bis jetzt immer am meisten gefallen. Nach vielen Vorstellungen der Familie und einigen Reden gibt es dann meistens Essen, dass die Nacht vorher vorbereitet wurde. Am Freitag vor der Hochzeit bei Julias Gasttante, konnten wir sehen, wie eine Kuh und eine Ziege extra für die Hochzeit geschlachtet wurden. Das Essen war bisher immer super lecker und es gab viel Auswahl an unterschiedlichen Speisen. Mein Teller ist meistens zu voll, weil ich alles gerne probieren möchte. Nach dem Essen zieht das Brautpaar noch einmal mit ihren Leuten tanzend aus und es gibt einen Kleiderwechsel. Die neuen Kleider werden dann wieder eintanzend präsentiert. Besonders schön finde ich, dass das Brautpaar sich vorher einen bestimmten traditionellen Stoff aussucht und allen eingeladenen Gästen mitteilt, welcher es ist. Diese können sich dann extra für die Hochzeit aus dem selben Stoff ein Kleidungsstück nähen lassen. Zu einer Hochzeit darf prinzipiell jeder kommen, egal ob er oder sie das Brautpaar persönlich kennt oder nicht. So war ich in der Woche darauf auf einer Hochzeit eines Paares aus der Gemeinde in Gabane, da Julia dort einige ihrer Freunde treffen wollte. Ein bisschen schlecht habe ich mich schon dabei gefühlt, dass wir das Paar gar nicht kannten, aber da das viele hier machen, hat sich das schnell gelegt und ich hatte Spaß mit Freundinnen aus der Gemeinde in Gabane zusammen zu tanzen. Normalerweise ist es so, dass es zwei Hochzeiten gibt. Eine bei der Familie der Braut, bei der diese auch alles organisieren, vorbereiten und servieren muss und die Familie des Bräutigams darf „genießen“. Die zweite Hochzeit ist dann bei der Familie des Bräutigams und dann darf die Familie der Braut das Ganze genießen und sich zurücklehnen. Zu der Hochzeit bei der Familie des Bräutigams konnten Julia und Ich leider nicht reisen, da Julia sonst ihren Rückflug verpasst hätte.

 

Der Jägerita

In Julia’s erster Besuchswoche war auch mein Geburtstag und ich habe mich sehr über viele mitgebrachte Geschenke von meinen Liebsten, aber auch Julia’s Gesellschaft gefreut. Sie holte mich von der Arbeit ab und wir fuhren gemeinsam zu mir nach Hause, um Geschenkübergabe zu machen. Am Nachmittag trafen wir uns mit Anna und Maya in einem Restaurant, um mich bei guter Atmosphäre und gutem Essen ein wenig zu feiern.

Happy Birthday Girl

Sollte ihr jemals einen „Jägerita“ als Geburtstagsdrink umsonst angeboten bekommen, rate ich euch abzulehnen. Etwas ekeligeres habe ich glaube ich noch nie getrunken. Mit Julia ging es dann wieder zurück zu mir und wir hatten einen schönen Sleepover, bevor es am nächsten Morgen zu den Hochzeitsvorbereitungen ging.

 

In der zweiten Woche von Julia’s Besuch haben wir viel gemeinsam unternommen, waren Geschenke shoppen, die Dank Julia auch tatsächlich in Deutschland angekommen sind, haben Freunde von ihr getroffen und einfach nur gechillt. Die Gespräche mit Julia haben mir sehr gut getan, da sie mich immer wieder dazu ermutigt hat positiv und stark zu bleiben und weiter abzuwarten, was das Jahr noch alles Tolles für mich bereit hält. Besonders zu hören, dass ihr Jahr auch viele Höhen, Tiefen und schwierige Zeiten und Umstände hatte, und zu sehen, wie sehr sie sich hier trotzdem auch jetzt noch immer wohl und Zuhause fühlt, hat mir Hoffnung für den Rest des Jahres gegeben.

Time to say Goodbye

Ich denke, dass ich mich genau wie Julia mit der Zeit immer mehr an das Leben hier gewöhnen werde und in 9 Monaten wehmütig auf ein wunderbares Jahr und tolle Erinnerungen zurückblicken werde. Als es Zeit war Julia am Flughafen zu verabschieden, war ich zum einen traurig, dass unsere gemeinsame und für mich super stärkende Zeit, vorbei war. Und zum anderen war ich ein kleines bisschen neidisch, dass sie jetzt so einfach nach Deutschland zu ihren Liebsten und ihrem gewohnten Leben zurückfliegen konnte. Aber ich hatte allerdings nicht das Bedürfnis jetzt sofort mit ihr mit zufliegen und nach Hause zu kommen – und das ist doch ein gutes Zeichen für meine restliche Zeit hier 🙂

Seit Julia weg ist, sind jetzt schon wieder zwei Wochen vergangen und der Alltag hat mich mehr oder weniger zurück. Die erfüllte Zeit mit Julia vermisse ich sehr, da ich nun wieder viel weniger beschäftigt bin. Ich habe wieder mehr Zeit zum Grübeln und Verzweifeln und einige Sachen fordern mich noch immer super heraus.
Aber wenn ich mal wieder kurz davor bin mir alles in Grautönen auszumalen, dann denke ich an meine Erkenntnisse von meinem Roadtrip, an all die Ermutigungen und guten Geschichten, die Julia mir gesagt hat und gehe raus, mache das Beste aus Allem und genieße es!

November du warst ein guter Monat – ich freue mich schon auf den Dezember!
(und die beiden Adventskalender, die mir Julia von meiner Mama und Freunden aus Deutschland mitgebracht hat)

3 Responses

  • Suse

    Hej liebe Miri.
    Nachträglich ganz liebe Geburtstagsgrüße!
    Ich wünsche Dir ein ganz gesegnetes gesundes fröhliches neues Lebensjahr, mit vielen schönen Erlebnissen, wohltuenden Begegnungen, vielen Gelegenheiten zum Lachen, immer einen lieben Menschen zum Weinen und Kraft für alle Herausforderungen, die Dich weiser und stärker machen.

    Wie wunderbar, dass Julia da war! Es tut so gut, Wegbegleiter zu haben, vor allem, wenn man gerade Aufmunterung braucht oder einfach mal eine Umarmung.

    Es tut mir sehr leid, dass Dein Opa gestorben ist.

    Liebe Grüße.

    Suse

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    • Miriam Albrecht

      Hallo Suse,

      es ist immer sehr schön deine Kommentare zu lesen und ich freue mich schon immer, ob es wieder einen gibt!

      Danke für deine Glückwünsche und dein Beileid.

      Ja Julias Besuch war ein wahrer Segen 😊

      Liebe Grüße
      Miriam

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  • Kirsten

    Liebe Miriam,

    Ich lese nicht ganz regelmäßig deine Blogs, aber wenn dann alle nacheinander mit viel Freude und manchmal auch Wehmut, das ich in meiner Jugend nicht auch die Chance hatte, so etwas erleben zu können.
    Ich bin auch etwas verwundert das dir hier fast nur Suse schreibt, glaube aber mit den anderen bist du per What App oder Instagram auf dem laufenden.
    Obwohl du „erst“ im 3. Monat da bist, hast du doch schon so viel erlebt wie kaum einer von uns! Auch wenn du schon viel Heimweh mit Tränen 😥vergießen ,Langeweile und was dich noch so bedrückt hat ertragen musstest, so glaub mir auch ich ( als Außenstehende für dich ) habe hier schon Tränen vergossen, weil du so schön schreibst und ich mich an deinem Lebensabschnitt in Botswana teilhaben lässt.
    Genau was du in diesem Post vermutest, habe ich die Tage zu deiner Mom noch gesagt . Glaub mir wenn die Zeit um ist wird Miriam weinen, weil sie wieder nach Hause muß. Es ist für ein Jahr dein neues Zuhause gewesen, wie du ja schreibst, wenn du abends nicht mehr mit dem „ Bus “ nach Hause! fahren kannst, weil es zu gefährlich ist sondern auf sicherere Methoden achtest.
    So genug geschwafelt, hab weiter eine schöne Zeit, mummel 🧣🧤🧦dich bei dem „kalten“🥶 Wetter gut ein, damit du nicht krank wirst, wie wir hier fast alle und schreib weiter so tolles und lass uns auch weiter an deinem interessanten Lebensabschnitt teilhaben.
    Liebe Grüße aus der alten Heimat
    Kirsten 😘

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