Glaube im Alltag

Durch meine Einsatzstelle in einem Projekt der Evangelisch-lutherischen Kirche in Tanzania habe ich natürlich direkt einen religiös geprägten Einblick bekommen.

Dennoch würde ich sagen, dass Religion im Alltag eine größere Rolle spielt als ich das vorher gewohnt war. Auf die Geschichte von Mission und deren Auswirkungen und Kritik möchte ich nicht eingehen. Auch wenn dies ein sehr spannendes Thema ist und ich nochmal einen anderen Blick darauf bekommen habe. Mir ist eher wichtig zu beschreiben, was ich wahrgenommen habe.

Aus meinen Erfahrungen in Deutschland heraus würde ich sagen, dass Religion eine Privatsache ist. Wenn man durch die Stadt läuft, erkennt man nur sehr selten ob jemand einer Religion angehört und wenn ja welcher. Und auch, wenn man sich etwas besser kennenlernt, gemeinsam arbeitet, zur Schule geht oder benachbart wohnt, weiß man nicht unbedingt über die anderen Bescheid. Ich habe den Eindruck, dass Glaube und Religion dann eine Rolle spielt, wenn man sich explizit religiösen Angeboten anschließt. Dort wiederum werden häufig Glaubensinhalte geteilt.

 

Auf Sansibar bzw auch auf meiner Reise durch Tansania habe ich das etwas anders wahrgenommen. Wenn der muslimische Gebetsruf (5x am Tag) ertönt, werden aus Respekt Musik oder Filme pausiert. Wenn ich Menschen in der Stadt treffe, werde ich ab und zu von anderen aus der Gemeinde mit „Bwana Jesu asifiwe“, also „Gelobt sei Jesus“ begrüßt. Bei Sitzungen in Upendo oder Zanzic wird mit einem Gebet begonnen und abgeschlossen – eins von einer Muslimin, eins von einer Christin. Auch zur Begrüßung bei Sitzungen oder größeren Gruppen wird häufig „Bwana Jesus asifiwe“ sowie „Asalamu wa aleikum“ gesagt, welches beide Religionen repräsentiert. Das ist mehr als bloß „Hallo“ oder „Sehr geehrte Damen und Herren“.

Muslim*innen sind auf der Straße häufig an der Kleidung zu erkennen. Muslimische Frauen tragen meist ein Kopftuch sowie lange, weite Kleidung bzw einen Baibui (ein langes Gewand, was sie über die Kleidung ziehen, wenn sie raus gehen). Männer tragen manchmal einen speziellen Hut. Manche Männer tragen außerdem ein Gewand, welches für mich dem Baibui sehr ähnelt.

Wenn ich am Sonntag nicht in der Kirche war,  werde ich zum Beispiel in der Stadt gefragt, wo ich denn war – Menschen bemerken das.

Als meine Mitfreiwillige krank war, haben wir sehr viele liebe Ratschläge meiner Kolleginnen bekommen. Zum Beispiel viel Kokosnusssaft trinken. Aber auch auf jeden Fall beten.

Auf der Fähre von Sansibar nach Dar es Salaam gibt es Fernseher über die Filme und Ankündigungen gezeigt werden. Wenn das Schiff abläuft, wird ein Reise-Gebet abgespielt. Für mich war es etwas befremdlich. Um mich herum hatte ich aber das Gefühl, dass es ganz normal und passend wahrgenommen wurde.

Auf meiner Reise in den Norden von Tansania habe ich sehr viele Busse und LKWs mit Beschriftungen mit christlichen Worten oder Bildern gesehen. Als ich einmal im Friseursalon war, haben sie angeregt über das Ende der Welt und Jesu Rettung diskutiert – ich war sehr stolz einiges verstanden zu haben, zum Mitdiskutieren hat mein Wortschatz aber leider nicht ausgereicht.

 

In der Uni habe ich mal einen Text darüber gelesen inwiefern Christentum an unterschiedlichen Orten einen verschiedenen Zugang hat. Dieser Text ist mir noch sehr in Erinnerung und passt ganz gut zu meinen Erfahrungen. Natürlich hat jede Person einen individuellen Zugang und ist nicht unbedingt der Schublade des Landes zuzuordnen. Gleichzeitig habe ich Religion alltagsnäher und emotionaler erlebt.

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