Advent und Weihnachten

So häufig wurde ich gefragt „Wie feierst du eigentlich Weihnachten?“. Und tatsächlich war die Advents- und Weihnachtszeit für mich in diesem Jahr nicht mit einer vorherigen vergleichbar. Ich befinde mich gerade nicht nur in einem anderen Land und somit in einer anderen Kultur. Zanzibar ist außerdem ein Ort, an dem Christ*innen die Minderheit sind. Hinzu kommt, dass es nicht Frühling, Sommer, Herbst und Winter gibt. Hier ist zur Zeit die heiße Saison. Wie an jedem Tag geht die Sonne gegen 6 Uhr auf und gegen 19 Uhr wieder unter.

Wie diese Weihnachts- und Adventszeit für mich war bzw was mir so begegnet ist, möchte ich euch nun aber aufzählen:

  • Schon Ende November hat Upendo einen Großauftrag „Fröbel-Weihnachts-Sterne“ bearbeitet. Wir haben also über 300 Weihnachtssterne aus Kangastoff gebügelt und gefaltet. Einige wurden als Auftrag verkauft, andere sind als Einzelkauf im Shop verfügbar. Und tatsächlich wurden sie fleißig gekauft.
  • Leo liebt es Weihnachtslieder zu hören. Also habe ich diese bei ihr ab und zu mal mitbekommen.
  • Passend zum ersten Adventssonntag hat sich die Liturgie in der Kirche ein kleines bisschen verändert. Es gibt immer einen Teil, der an die jeweilige Zeit im Kirchenjahr angepasst wird. Außerdem war die Farbe der Tücher im Altarraum anders als bisher – so kenne ich das auch aus deutschen Gemeinden.
  • Als Adventskalender haben mich ich in diesem Jahr auch wieder 2 verschiedene begleitet – beide über Whatsapp. Eine Freundin von mir liest jeden Tag eine Geschichte vor. Eine andere Gruppe von Freundinnen schreibt für jeden Tag einen kurzen Gedankenanstoß und schickt diesen rum – als Lied, Text, Video, Bild oder was auch immer.
  • In Upendo wurde Anfang Dezember ein Tannenbaum aufgestellt. Im Eingang des Shops gab es nun also einen Plastiktannenbaum, der mit einer bunten, blickenden Lichterkette sowie den Weihnachtssternen und Süßigkeitentüten geschmückt war. Sehr häufig sind Tourist*innen oder auch Tanzanier*innen stehen geblieben, haben ein Foto gemacht oder uns auf den Baum angesprochen. Manche haben sie sich sehr gefreut, andere waren verwundert oder neugierig.
  • Außerdem haben wir ca 2 Wochen vor Weihnachten den Ofen von Maloda ausgeliehen, um Kekse zu backen. Es gab Spritzgebäck (ungespritzt) und Schoko-Orangen-Cookies. Da wir keine Waage oder Messbecher in der Wohnung hatten, war es etwas schwierig nach Rezept zu backen. Und auch mit diesen gewohnten Utensilien ist es bei mir nicht immer gut gegangen. Es hat einen Grund, warum ich gerne Lara das Backen überlasse. Dennoch sind unsere Kekse echt lecker geworden und haben für mich ein bisschen Tradition hervorgerufen. Am nächsten Tag haben wir ein paar Kekse mit zu Upendo gebraucht und geteilt. Wir haben ihnen erzählt, dass wir Weihnachtskekse gebacken haben. Die Reaktionen waren etwas verwirrt, da wir doch etwas zu früh wären. Geschmeckt haben sie ihnen aber auch sehr gut. Die Mitarbeiterinnen aus Upendo freuen sich immer riesig, wenn ich etwas mitbringe. Sie bringen mir viel mit und zeigen mir verschiedene Köstlichkeiten. Anders herum freuen sie sich zum Beispiel, dass ich versucht habe Mandazi zu machen. Sie freuen sich aber auch immer wieder, wenn ich etwas Unbekanntes zeige, was sie vorher noch nicht gesehen oder gegessen haben. So findet ein bisschen Kulturaustausch statt. Unsere verfrühten Weihnachtsplätzchen haben wir jedenfalls auch noch mit anderen Leuten geteilt, unter anderem Maloda und seiner Familie. Auch er war verwundert, ob wir uns im Termin vertan haben. Aber auch im haben wir erklärt, dass wir es gewohnt sind die 4 Wochen vor Weihnachten schon zu feiern, uns vorzubereiten und Kekse zu essen. Maloda meinte daraufhin, dass die Kekse bis dahin aber nicht reichen würden. Wir antworteten, dass wir ja jederzeit neue backen können. Also hat er uns bei jeder Begegnung nach Weihnachtskeksen gefragt. Am 4. Advent in der Predigt hat er dann davon erzählt, dass wir schon früh angefangen haben Kekse zu backen, weil wir es gewohnt seien das den ganzen Advent über zu haben. Nun wusste die ganze Gemeinde davon – unsere Kekse waren allerdings schon lange leer und wir hatten kein zweites Mal gebacken.
  • Am 23. Dezember saß ich in meinem Zimmer und draußen hat der Kinderchor geprobt. Lautstark haben sie „Jingle bells“ und andere Weihnachtslieder geprobt. Die Weihnachtszeit scheint also nun zu starten. Der Kinderchor und auch andere Chöre sind am 24. Dezember in verschiedene Hotels gefahren, um dort Weihnachtslieder vorzusingen.
  • Für Menschen, die nicht selbstständig arbeiten, ist der 25. und 26. ein Feiertag. Ich weiß nicht, ob das überall so ist. In Upendo hatten alle Christinnen ebenfalls am 24. frei.
  • Am Nachmittag des 24. wurden auf dem Gelände der Kirche Lichterketten aufgehängt, die am Abend bunt geleuchtet haben.
  • Wir haben unseren Nachmittag am 24. damit verbracht eine 2. Ladung Weihnachtsplätzchen zu backen, die wir nach dem Gottesdienst gemeinsam gegessen haben.
  • Um 19 Uhr sind wir dann in den Gottesdienst gegangen. Für die Kirche machen sich die meisten Leute sehr schick. Da Weihnachten ist, haben wir uns diesmal auch schick gemacht. Normalerweise ist die Kirche sonntags immer sehr voll. Wir haben mit einer super vollen Kirche am 24. abends gerechnet, weshalb wir etwas früher gehen wollten. Tatsächlich war um 19 Uhr außer uns erst eine Familie da. Nach und nach sind dann noch ein paar Menschen gekommen. Allerdings blieb die Kirche eher leer. Auch wenn der Gottesdienst ganz anders war, als ich ihn erwartet hatte, fand ich ihn echt schön. Ich hab gemerkt, dass bei mir Weihnachten irgendwie auch durch Weihnachtsmusik in der dunklen Kirche eingeläutet wird. Da wir unter anderem „Oh du Fröhliche“ auf Suaheli gesungen haben, war doch auch etwas Gewohntes dabei.
  • Der 25. ist hier der Hauptfeiertag. Es gab zwei Gottesdienste – um 7 und um 10. Wir sind wie gewohnt zum ersten Gottesdienst gegangen, der diesmal wieder richtig voll war. Für einen großen Teil der Gemeinde ist Weihnachten ein Anlass sich ein neues Kleid schneidern zu lassen und vielleicht sogar im Partnerlook mit der Familie aufzutreten. Der Gottesdienst hatte ebenfalls die weihnachtliche Liturgie, Weihnachtslieder und eine Predigt zum Thema. Ich habe zwar nur kurze Ausschnitte verstanden. Es ging aber glaube ich unter anderem darum was Weihnachten eigentlich wirklich wichtig ist.
  • Nach dem Gottesdienst wurden wir von einer Familie eingeladen. Die beiden arbeiten in Zanzic, so dass wir uns ab und zu schonmal über den Weg gelaufen sind. Sie haben uns nach dem Gottesdienst gefragt, was wir heute machen. Da wir keinen Plan hatten, haben sie uns eingeladen. Traditionell wird Pilau als Festessen gegessen. Dazu gab es Hähnchen, Gemüse und wir haben noch Obstsalat mitgebracht. Als wir bei der Familie ankamen hatten die 3 Kinder Weihnachtsmützen und Brillen mit Tannenbäumen auf, um sich zu schmücken. Ich habe den Tag mit der Familie sehr genossen. Wir haben gegessen, Rummikub gespielt und uns viel unterhalten.
  • Der 26. war für mich wieder ein sehr untypischer Feiertag. Da Leo gerade Besuch von zwei anderen Freiwilligen hat, haben wir uns überlegt gemeinsam einen Ausflug zu machen. Wir sind morgens nach Stonetown gefahren und von dort mit einem kleinen Boot 30 min zur „Prison Island“ gefahren. Dort haben wir das ehemalige Gefängnis gesehen, was später als Krankenhaus umfunktioniert wurde. Kranke wurden dorthin gebracht, um gesund zu werden und die Krankheiten nicht weiter zu streuen. Heute findet auf der Insel bloß Tourismus statt. Es gibt riesige Schildkröten mit denen man Fotos machen und die man auch füttern kann. Anschließend haben wir mit dem Boot ganz in der Nähe gehalten und wir konnten Schnorcheln. Im Vorfeld war ich etwas besorgt, ob mir das gefallen würde. Ein Gewässer mit Fischen und Pflanzen geht für mich nicht zusammen mit Baden und Schwimmen. Und nun kann ich das sogar noch sehen. Ich fand es aber total beeindruckend die Fische in angemessener Entfernung zu beobachten. Besonders die Korallen sahen beeindrucken aus. Nach diesem Ausflug bin ich wieder zurück zur Kirche und wurde dann von einer Familie abgeholt, die mich zu einer Konfirmationsfeier eingeladen haben. Die Konfirmation selbst am Morgen habe ich ja verpasst. Nun hatte ich aber die Chance die Feier mitzubekommen. Diese ist vielleicht nochmal einen eigenen Artikel wert.

Das war es für mich mit der Advents- und Weihnachtszeit. Die Wochen hier zu erleben und mich an Gewohntes zu erinnern sowie über Instagram die Weihnachtszeit in Deutschland mitzubekommen hat sehr zum Denken angeregt. Nochmal mehr als in jedem anderen Jahr habe ich mich gefragt, was für mich zu Weihnachten eigentlich dazu gehört. Was musste in diesem Jahr auf jeden Fall dabei sein, damit es Weihnachten ist? Und was möchte ich eigentlich feiern? Ich bin nun sehr gespannt wie ich meine nächste Weihnachtszeit in Deutschland gestalten möchte.

Der Tannenbaum in Upendo wird noch bis zum Jahresende stehen bleiben. Ansonsten ist wieder Alltag.

Ich wünsche allen einen guten Jahreswechsel! 🙂

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