Der Sprachkurs in Morogoro

Nach einer Woche Einstieg in Dar Es Salaam habe ich 2 Wochen in Morogoro verbracht. Wir sind dort gemeinsam mit einem Reisebus, das Hauptverkehrsmittel für Fernstrecken, hingefahren. Der Bus hat für die 5 stündige Fahrt umgerechnet 3,16€ gekostet – das sollte sich die DB vielleicht mal abgucken. Auf dem Weg dorthin haben wir außerdem Leonie, eine Freiwillige aus Kiel getroffen, die mit mir zusammen auf Sansibar wird. Sie ist Freiwillige vom ZMÖ und bleibt bis Ende Juli.

Die Busfahrt hat sich nicht wie 5 Stunden angefühlt. Wir waren uns irgendwann unsicher, wie wir unseren Stopp mitbekommen. Auf der Fahrt bisher hat der Bus gehalten und die Leute wussten, dass sie raus müssen. Uns wurde aber netterweise Bescheid gesagt, als wir beim Junior Semenary angekommen sind.

In Morogoro angekommen haben wir unsere Zimmer bezogen. Ich bin ganz froh ein Einzelzimmer bekommen zu haben. So kann ich früh ins Bett gehen.

Ein bisschen nach uns sind noch weitere Freiwillige vom Berliner Missionswerk, Leipziger Missionswerk und 2 weitere vom ZMÖ angekommen. Mit ihnen gemeinsam haben wir die 2 Wochen verbracht und werden auch das Zwischenseminar im Februar gemeinsam in Morogoro verbringen.

Am Sonntag sind wir in den Gottesdienst gegangen. Der Gottesdienst war komplett auf Suaheli und ich hab fast nichts verstanden. So ein paar einzelne Wörter konnte ich herauspicken, die mir aber garnichts gebracht haben, um irgendeinen Kontext zu verstehen. Ich kann mir garnicht vorstellen, dass sich dieses Gefühl im Laufe des Jahres irgendwann verändern könnte. In der Kirche bin ich es so gewohnt, dass man ein Gesangbuch bekommt, was man am Ende wieder zurücklegt. Da es dort aber so üblich ist, dass sich alle ihre Liederbücher selbst mitbringen, hatten wir keine vor uns liegen. Für den Gottesdienst eine Woche später habe ich mir dann eine App runtergeladen, in der alle Lieder und die Liturgie zu finden sind. Es hat immer etwas länger gedauert, bis ich herausgefunden habe, welches Lied gesungen werden soll. Etwas verspätet konnte ich aber noch einsteigen und versuchen den suahelischen Text mitzusingen. Da hat der Gottesdienst direkt viel mehr Spaß gemacht. Ganz spannend fand ich, dass bei vielen der Lieder bei stand, dass der Ursprung des Liedes von einem deutschen stammt.

Unsere Zeit in Morogoro war ziemlich klar strukturiert. Ab 7 Uhr gab es Frühstück, um 7.45 Uhr war eine Morgenandacht (in der 2. Woche wurde diese von uns gehalten). Um 8 Uhr startete der Unterricht. Nach einer Chai-Unterbrechung um 10 Uhr ging es nach einer halben Stunde weiter mit dem Unterricht. Um 12 Uhr gab es Mittagessen und danach Pause. Ab 14.30 Uhr hatten wir nochmal für 1,5 Stunden Unterricht, anschließend wieder eine Chai-Pause und sonst den Tag über frei. Natürlich gab es noch eine 5. Mahlzeit zum Abendessen. Es wurde also bestens für uns gesorgt und wir sind bestimmt einige Kilo schwerer weitergezogen.

Da die Tage alle sehr ähnlich aussahen, möchte ich nur von einzelnen Erlebnissen berichten.

Am Ende des Suaheli-Kurses habe ich neben vielem anderen auch die Farben gelernt. Mein Lehrer meinte, dass es auf Suaheli nur 3 Farben gibt: rot, weiß und schwarz. Alle anderen Farben werden mit etwas verglichen. So heißt braun z.B. die Farbe von Kaffee. Grün ist die Farbe von Blättern. Grau ist die Farbe von Asche. Und so weiter. Es gibt auch einen bestimmten Rotton, der so etwas wie „Farbe von Blut von alten Menschen“ heißt. Dann hat mich mein Lehrer gefragt, welche Farbe denn meine Haut hat. Diese Frage hat mich etwas stutzig gemacht. Ich weiß von der Einteilung in Schwarz und Weiß. Wenn ich aber den Farbton meiner Haut beschreiben möchte, so ist es nicht weiß. Auch nicht rosa. In der Schule oder im Kindergarten hab ich einen Buntstift in der Farbe „hautfarbe“ kennengelernt. Dass diese Farbe keine allgemeine Hautfarbe beschreibt ist ja ziemlich offensichtlich und damit eine falsche Aussage. Aber welche Farbe ist es denn, mit der ich meinen Hautton beschreiben kann? Mit was kann ich es vergleichen? Ich hab keine Idee. Erschreckend. Vorschläge nehme ich sehr gern entgegen.

Der letzte Tag in der Sprachschule war außerdem besonders. Am Morgen gab es ein Examen mit einem schriftlichen und mündlichen Test. Letzendlich war es doch viel kürzer als ich dachte und hat längst nicht alles abgefragt, was ich gelernt hatte. Nach dem Test haben wir uns für einen kulturellen Austausch getroffen. Der Leiter der Sprachschule, Chuma, hat uns ein bisschen über angemessenes Verhalten in Tanzania informiert. Zum Beispiel hat er uns daraus hingewiesen, dass es angemessen ist, wenn wir unsere Schultern und Knie bedecken. Wir haben außerdem über sich gegenseitig anlächeln gesprochen. Wenn mir in Bochum jemand entgegen kommt und ich nicht gerade im Stress bin, lächel ich die Person häufig an. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich die Person kenne oder nicht. Ich finde es freundlich. Jemanden ansprechen ist dann aber doch eher unangemessen. Über Tanzania hat er gesagt, dass anlächeln hier ganz andere Bedeutungen haben kann. Manchmal wissen Menschen nicht, was das bedeuten sollte und manchmal wird es fehlinterpretiert. Er hat uns außerdem verschiedene Formen der Begrüßung gezeigt, die üblich sind. In Deutschland würde ich sagen, dass Handschütteln oder Umarmen üblich ist – je nachdem wie gut man sich kennt oder was für ein Typ man ist. Die Lehrer wiederum haben uns verschiedene Gesten gezeigt. Handschütteln war auch dabei, vielleicht etwas länger als ich das gewohnt bin. Es gibt auch das Handschütteln aus dem man zu einer Art einschlagen und dann wieder zum Handschütteln wechselt. Schwierig zu beschreiben. Wenn man sich besser kennt, kann man sich umarmen – auf jeder Seite einmal. Es gibt außerdem deutlich demutsvollere Gesten von jüngeren zu Älteren oder von Frauen zu männlichen Chefs. Dabei geht man so ein bisschen in die Hocke während man die Hand hält. Es gibt super viele verschiedene Menschen und vermutlich ebensoviele Arten zur Begrüßung oder Verabschiedung. Ich fand es aber total hilfreich daraus eine Auswahl zu sehen.

Das waren die Hauptthemen, an die ich mich aus dem Gespräch erinnere. Da war aber bestimmt noch deutlich mehr.

Nach der Mittagspause hatten wir die Möglichkeit in Kleingruppen verschiedene tanzanische Gerichte mitzukochen. Ich hab mit anderen zusammen eine Soße gemacht, für die wir Tomaten und Pilipili geschnitten haben. Ich kam mir sehr unbeholfen vor, als ich die Tomaten ohne Brettchen sehr schmal schneiden sollte. Die Person, die mit uns gekocht hat was aber super fix und ordentlich dabei. Anschließend haben wir Gummihandschuhe bekommen, um die Pilipili zu schneiden. Ich hab garnicht verstanden wieso. Nachdem wir eine große Schüssel voll geschnitten haben und eine kurze Weile vergangen ist, wusste ich wieso. Trotz der Handschuhe haben meine Finger so sehr gebrannt. Ich vermute, dass es an der Schärfe lag. Total verrückt.

Am Abend gab es dann eine große Abschlussfeier – unsere Graduation. Es gab ein großes Buffet mit all den vorbereiteten tanzanischen Köstlichkeiten. Der Tisch war dekoriert und überall hingen Lichterketten. Nach dem Essen haben wir unsere Zeugnisse über den Sprachkurs und ein Suaheli-Grammatikbuch bekommen. Anschließend haben die Lehrer eine Modenschau gemacht. Das war super witzig. Sie haben gezeigt wie vielfältig ein Kitenge (tanzanischer Stoff) sein kann. Von einer Frau zu Hause über Trauerkleidung über muslimische Traditionen bis zur Kleidung zum Feiern gehen war vieles dabei. Sie haben das auf der einen Seite sehr realistisch und gleichzeitig echt witzig dargestellt.

Von Morogoro aus sind wir VEM-Freiwilligen und Leo gemeinsam wieder nach Dar gereist. Dort wurden wir direkt zu Almut und Ingo gebracht. Es hat sich angefühlt wie nach Hause zu kommen, es sind einfach so liebe und herzliche Menschen! Am nächsten Morgen sind Leo und ich mit in den Gottesdienst der deutschen Gemeinde gegangen und von dort aus weiter zur Fähre nach Sansibar.

Was ich dort so erlebe wirst du in der nächsten Folge erfahren. Also vergiss nicht rechtzeitig wieder einzuschalten.

2 Responses

  • Claudia Böhnisch

    Schwere Frage Welche Farbe deine Haut hat. Spontan würde ich auf „Sand“ tippen.
    Aber ist wirklich nicht einfach. Bin gespannt, was da so raus kommt 😃

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  • Kerstin Montanus

    Steve Biko (Südafrika, ANC-Freiheitskämpfer in den 70er Jahren) soll, etwas provokativ, gesagt haben, die Haut von „Weißen“ sei eigentlich „schweinchenfarben“…

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