1. Szene – Am Anfang war das Ende

AKT I.

 

 

Früher Nachmittag im Blue Hall der NWF. Naomi, Felix, Emanuela, David, Elvin und Johann stellen drei Tische zusammen, belegen sie mit Tellern voller Essen (Kekse, Chips, Nüsschen, etc.), leeren Bechern und einen separaten Tisch mit verschiedenen Getränken (Limos, Sprite, Säfte, etc.). Um die drei Tische werden Stühle verteilt.

Sobald sie fertig sind setzen sie sich hin und warten. Nach und nach trudeln ein paar der Kinder herein. Die Stimmung ist belebt, die Kinder lachen, toben und rennen von einem Stuhl zum anderen – bis eine Stimme aus der Menge heraus sticht

JACKY              Kids, please now. Take a seat. Hey! Everybody takes a chair and sits down, please. Volly, please, sit. Tyrese, you too!

LEONIE (heißer)       I want to keep my voice quiet today, so would you please calm down and listen to Jacky. It’s our last day together, guys. We want to enjoy it and in the end, after we’re done eating we’ve got something for you –

JAN    – yeah, something to say goodbye.

Die Stimmen werden leiser und alle Augen richten sich auf die drei ehemaligen Freiwilligen, die gerade dabei sind sich zu setzten. Einige Kinder rücken mit ihren Stühlen zu ihnen.

David nimmt eine Flasche vom separat stehenden Tisch, öffnet sie und geht zum Essenstisch. Mit seiner rechten Hand hebt er das süße Getränk und fragt in die Runde.

DAVID               So, who wants some juice? Raise your hand so I can see!

Ein paar Kinderhände schnellen nach oben und David macht eine Runde. Bei den Freiwilligen fragt er ob er einschenken darf und einige stimmen, andere nicht.

Währenddessen fangen alle an zu essen. Die heitere Stimmung ist weiterhin tragend – bis die Teller und Becher langsam leerer werden.

JAN    So, now we would like to call you up front and give you the little present. It’s a little letter Leonie and Jacky wrote for each one of you and of course some typical German sweets. Let’s start with you Cherm…

Cherm steht auf, geht auf Jacky zu und sie drückt ihr einen Zettel in Form eines Engels in die Hand, dazu noch eine kleine Tüte Haribo. Sie bedankt sich und wird von allen drei ehemaligen Freiwilligen umarmt. So wird ein Kind nach dem anderen verabschiedet.

Kenzo nimmt sein Geschenk und geht etwas weiter nach hinten. Er setzt sich auf den letzten Stuhl in der Reihe, welcher direkt hinter Johann ist, und legt den lieblichen Papierengel samt Süßigkeiten auf den Tisch. Danach legt er seine Handflächen auf seine Augen und beugt sich runter. Johann dreht sich nach hinten zu dem kleinen Jungen.

JOHANN       Are you playing hide and seak?

Kenzo fängt an zu schluchzen.

JOHANN       Oh! I am sorry, buddy. I didn’t know that …

Kenzo hat seine Hände immer noch auf seinen Augen und er rutscht mit dem Stuhl näher an den neuen Freiwilligen, dieser nimmt ihn in den Arm und streichelt seinen Kopf.

JOHANN       It’s all right. Don’t worry. You know there is a wonderful German saying. You wanna hear it? “Man sieht sich immer zweimal im Leben.” And do you know what that means? It means you will always see each other twice in life. That’s true – you know why? Jan, for example, he’ll come in six moth back to visit you. So, go to Jan. I think he needs you more right now. Give him a big hug, buddy.

Kenzo wischt sich mit den Händen die Tränen weg, steht auf und rennt zu Jan. Dieser ist von einer Traube Kinder umgeben. Man hält sich in den Armen, Tränen fließen und der Abschied wird in allen Zügen genossen.

ERZÄHLERIN          Ein Abschied birgt in sich immer einen Neuanfang. Ein wirkliches Ende wird es nie geben. Hört eine Phase auf, beginnt eine neue Etappe. So werden auch hier drei Freiwillige eine Erinnerung in ihrem Leben abschließen, ihren Weg weiter gehen und vier neue Jugendliche nehmen diesen Platz für 52 Wochen ein. Auch nach diesen 52 Wochen wird es einen Abschied geben und gleichzeitig einen Neuanfang. Das ist der Kreislauf des Lebens – für diese Erkenntnis muss man nicht einmal um die halbe Welt reisen. Dennoch ist es schön zu wissen, dass dieser Kreisel doch irgendwie überall gleich funktioniert. Dies ist keine Form des Nihilismus, denn jeder Schluss, Beginn und Zeitraum ist einzigartig. Diese Einmaligkeit macht diese Wiederholung lebenswert.

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