Vorstellung meiner wichtigsten Bezugspersonen

Halli Hallo aus Ruanda,

In diesem Eintrag möchte ich euch ein paar Menschen vorstellen, mit denen ich hier meine Zeit verbringe. Auch wenn ich sehr gerne alleine bin, merke ich, dass die Menschen das sind, was mein Leben aus machen und wie wichtig verschiedene Kontakte sind. Insofern hier ein kleiner Einblick, in den Kreis, meiner engsten Bezugspersonen.

Janek

Mein Mitfreiwilliger der VEM. Wir sind zusammen nach Ruanda geflogen, er lebt in Kigali (ca. 1 ¼ h mit dem Bus) und arbeitet bei einem Straßenkinderprojekt. Wenn ich alle paar Wochen in Kigali bin, um europäische Produkte zu kaufen, besuche ich ihn manchmal oder wir gehen zusammen etwas essen. Es ist sehr schön, mit jemandem, den man schon relativ gut kennt, Erfahrungen auszutauschen.

Lilly

Eine Mitfreiwillige, die am Anfang ebenfalls in Muhanga gewohnt hat und wir deshalb viel zusammen gemacht haben. Ihr ging es in ihrem Dorf jedoch nicht so gut, weshalb sie nach Kigali gezogen ist. Dort wohnt sie in einer WG mit anderen Freiwilligen und ich besuche sie, wenn ich in Kigali bin. Wir können über alles reden und gehen gerne gemeinsam einkaufen, dann macht es gleich doppelt so viel Spaß.

Desiree

Der Kollege, der für mich „zuständig“ ist. Wir sitzen in einem Büro und „arbeiten“ für uns. Hin und wieder schreibt er mir eine E-Mail, in der er mir ein Dokument zum lesen gibt. An anderen Tagen taucht er gar nicht im Büro auf und hat wohl irgendetwas anderes zu tun – ich kriege die Tage mit Zeitung lesen auch ganz gut rum. Ungefähr einmal im Monat nimmt er mich mit zu einem Training, bei dem er der Bevölkerung auf Kinyarwanda lehrt, wie sie ihr Leben effizienter gestalten kann. Ansonsten scheint er nicht genau zu wissen, was er mit mir anfangen soll und will, dass ich ab Januar zwei oder drei Tage in der Grundschule helfe, anstatt im Büro zu sein.

Richard

Ein Advisor der VEM, der zwanzig Jahre in Köln gelebt hat, aber ursprünglich aus Tansania stammt. Er arbeitet ebenfalls bei RDIS und ist als Bindeglied zur VEM dafür verantwortlich, zu schauen, in welchen Bereichen das NGO noch besser arbeiten und wirtschaften kann. Er spricht deutsch und wir haben auch schon ein bisschen über die deutsche Politik diskutiert. Er „versteht“ meine Ansichten und Werte ein bisschen besser, dadurch, dass er Deutschland eben auch gut kennt. Außerdem ist er häufig darum bemüht, mir ein paar Aufgaben zu geben, bzw. mich in die Arbeit mit einzubeziehen. So haben wir zum Beispiel unsere Teilnahme beim German Christmas Market organisiert.

Marianne

Eine pensionierte Belgierin, die ihren Ruhestand in Ruanda verbringt und sich freiwillig hier engagiert. Seit ungefähr zwei Jahren lebt sie in Muhanga und hat in diesem Sommer angefangen, sich bei der anglikanischen Kirche einzubringen. Sie hat Landwirtschaft studiert und Naturwissenschaften an Schulen unterrichtet. Daher hat sie sich hier ein Projekt zu eigen gemacht, bei dem wir die Felder eines Bauernhofes rekonstruieren und ein „Zentrum der Transformation“ aufbauen wollen, um der Bevölkerung zu helfen, effektiver zu wirtschaften. Mit ihrem Auto kann sie flexibel zu Außenterminen fahren und nimmt mich häufig mit, da sie sich gut mit meiner Situation identifizieren kann und mir helfen will, das Gefühl zu bekommen, etwas zu tun. Auch an den Wochenenden bietet mir Marianne häufig an, sie zu begleiten und dank ihr, habe ich schon einiges vom Land gesehen. Außerdem planen wir einen Ausflug in den Regenwald im Süden des Landes, wo wir im Januar eine Nacht zelten wollen. Sie spricht nur Französisch, weshalb es mir häufig noch ziemlich schwerfällt, mich ihr gegenüber auszudrücken – das Verstehen klappt soweit aber ganz gut.

Jonas & Solange

Meine Mentorsfamilie, bestehend aus dem Ehepaar Jonas und Solange und ihren zwei kleinen Söhnen, erkundigt sich hin und wieder per WhatsApp, wie es mir geht. Während der Anfangszeit haben sie mir die Läden in der Umgebung gezeigt und mir geholfen, etwas zu kochen. Seit Ferienbeginn sind sie jedoch mit dem Bau eines größeren Hauses beschäftigt. Ich weiß, dass ich bei ihnen immer vorbeischauen kann, wenn ich möchte und sie mir in allen Angelegenheiten helfend zur Seite stehen.

Noella

Meine engste „Freundin“. Wir kennen uns seit meiner ersten Woche, da sie in der Primaryschool unterrichtet. Sie schreibt mir WhatsApp Nachrichten, wann der Chor stattfindet und ist während der Proben diejenige, die mir die Texte aufschreibt, sodass ich mitsingen kann – auch wenn ich nichts verstehe. Sie übersetzt mir zwar Teile ins Englische, aber das Hauptaugenmerk während der Proben liegt natürlich auf dem Singen und nicht im „für Hannah ins Englische übersetzen“. Am Anfang habe ich mich schwergetan, mit ihr zu sprechen, da ich sehr schüchtern war und immer ein wenig Angst vor der Kommunikation hatte. Mittlerweile ist das ganz anders und ich freue mich immer, sie zu sehen und mit ihr zu quatschen und Spaß zu haben.

Eme

Ein Junge aus dem Chor und Schlagzeuger der Jugendband, der mir auf Anhieb sympathisch war. Das lag wahrscheinlich daran, dass er auch ein wenig schüchtern war und ich mich in seinen Augen nicht nur als „die Weiße“ gefühlt habe, was bei vielen anderen ersten Begegnungen der Fall ist. Wenn Noella nicht da ist, schreibt er mir die Texte auf und hat begonnen, mir ein bisschen das Schlagzeugspielen beizubringen (definitiv das schwerste Instrument, das ich je ausprobiert habe).

Ein paar generelle Erfahrungen im Umgang mit Menschen

Manchmal schreiben Eme und ich auf WhatsApp mehr oder weniger Smalltalk und ich merke, wie schwierig es ist, mit Menschen, die hier leben, über für mich belanglose Dinge zu quatschen. Ein Beispiel dafür ist, dass wir uns Bilder von unseren Familien gezeigt haben. Beim Suchen eines Fotos fiel mir auf, dass ich viele Fotos vor „schönen Kulissen“, zumeist aus dem Urlaub, habe. Über den Eindruck, den das erwecken könnte, habe ich mir vor meiner Zeit in Ruanda wenig Gedanken gemacht. Eher im Gegenteil – je besser die Kulisse, desto lieber habe ich das Bild gezeigt. Doch in der Situation hier, habe ich mich bewusst für ein Foto mit einem neutralen Hintergrund entschieden, um mich nicht „noch weißer zu machen, als ich ohnehin schon bin“.

Insofern ist es sehr kompliziert, mit ruandischen Bekannten über die unverfängliche Smalltalkgrenze hinwegzukommen. Was kann ich sagen, ohne, dass es „arrogant“ oder verletzend rüberkommt? Dort trete ich bestimmt hin und wieder in Fettnäpfchen, aber ich schätze, dass das dazu gehört und beide Seiten akzeptieren müssen, dass das Leben in Europa einerseits ganz anders aussieht und andererseits doch dasselbe ist.

Mit den deutschen Freiwilligen, Marianne und Richard habe ich durch unsere Herkunft automatisch eine Verbindung, die es ermöglicht, entspannt miteinander umzugehen. Mit den Ruandesen und Ruandesinnen ist es schwieriger, aber dafür natürlich auch umso spannender und bereichernder.

Habt alle eine wunderbare und besinnliche Vorweihnachtszeit – wie gerne wäre ich bei euch 😊

Bis demnächst, eure Hannah in Ruanda

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